Bei Schreiner48 läuft selten etwas nach Schema F, auch wenn es um Lernende geht. Das weckt Interesse: So wurde Co-CEO David Hauser zur Next Talent eingeladen, um über die 48er-Ausbildungsphilosophie zu sprechen. Die Next Talent ist eine Tagung rund ums Lernenden-Marketing, wo andere Berufsbildner ihr Wissen weitergeben – unterstützt von Yousty , dem grössten Lehrstellen- und Berufsbildungsportal der Schweiz. Normalerweise halten die Profis Vorträge, doch Davids Beitrag wich vom üblichen Programm etwas ab.
«Jörg Buckmann, der Gründer der Next Talent, sprach mich an der letzten Veranstaltung im 2025 an», erinnert sich David. «Er fragte mich, ob ich mein Wissen in einem Interview teilen wolle – als Live-Aufzeichnung eines Podcasts, direkt auf der Bühne.» In typischer 48er-Manier reagierte David gelassen: «Lass uns mal zusammensitzen.» Neues auszuprobieren gehört bei Schreiner48 dazu. Bald war klar: «Ja, warum eigentlich nicht?»
Am 15. Januar war es so weit: Die Next Talent öffnete ihre Türen. Am Nachmittag startete die Live-Aufzeichnung von «Verzell mal», dem Podcast von Linda Gashi über Erfahrungen während und nach der Lehre. Bühne, Publikum, Mikrofone, drei Kameras – und David mittendrin.
«Das Gespräch mit Linda war sehr angenehm und spannend», erzählt er. Die beiden sprachen darüber, was Schreiner48 in der Ausbildung anders macht – etwa das Kennenlernen per Videocall oder dass Lernende ihre Nachfolgerinnen und Nachfolger selbst auswählen. «Mir war wichtig, dass die Leute den Kontext verstehen», so David. Denn vieles, was unkonventionell klingt, hat gute Gründe.
Wieso schreiben wir in Stelleninseraten nur Fachliches aus und entscheiden am Ende nach einem klassischen Bewerbungsgespräch, statt die Menschen zuerst wirklich kennenzulernen?!
Das «Wieso» ist wichtig
Beim Videocall gehe es nicht ums «Ausprobieren», sondern darum, dass heute Sozialkompetenz zentral ist. «Wieso schreiben wir in Stelleninseraten nur Fachliches aus und entscheiden am Ende nach einem klassischen Bewerbungsgespräch, statt die Menschen zuerst wirklich kennenzulernen?!» Die Frage nach dem «Wieso» beginnt für David schon viel früher und steht im Zentrum von dem, was Schreiner48 ausmacht.
Sie spielte auch im Podcast eine zentrale Rolle: Wieso bilden wir überhaupt aus? «Geht es um günstige Arbeitskräfte? Oder darum, zukünftige Arbeitskolleginnen und Kollegen auszubilden, die wir wirklich im Team wollen?», sagt David. «Ist das geklärt, ergibt sich vieles von selbst.» So erklären sich auch die Regeln der Schreiner48 Academy: pünktlich sein, am Samstag üben. David erklärt: «Diese Vorgaben sollen etwas auslösen. Ich will Arbeitskollegen, die an sich arbeiten – nicht erst nach der Lehre, sondern schon währenddessen.»
Für David ist die Next Talent jedes Mal wertvoll: «Viele Betriebe machen Spannendes in der Ausbildung – einiges davon haben wir auch schon ausprobiert.» Genau deshalb schätzt er den Anlass. Nicht zuletzt, weil Menschen wie Jürg Buckmann und Partner wie Yousty den Austausch unter Berufsbildner:innen und Ausbildungsbetrieben ermöglichen und fördern.