Ein Team, das sich selbst führt
08:12 Uhr im Hauptquartier von Schreiner48 in Schlieren. Während im Admin-Büro die Tastaturen klappern und in der Ecke die Kaffeemaschine surrt, läuft das Telefon bereits heiss. Das Team ist schon mittendrin: Welche Pendenzen stehen an? Wer übernimmt was? Ob komplexe Rechnungen oder E-Mail-Anfragen im Minutentakt: Die Aufgaben werden selbstständig verteilt. Entscheidungen fallen hier gemeinsam, und bei Knacknüssen sucht man im Kollektiv nach der besten Lösung. Das braucht Abstimmung, einen kühlen Kopf und vor allem: Vertrauen.
«Das Wichtigste ist das Miteinander»
Uschy Käser ist seit 2014 bei Schreiner48 in der Administration tätig und hatte lange eine vorgesetzte Person, die als Brücke zwischen dem Team und der Geschäftsleitung agierte. «Es geht auch ohne», antwortet Uschy auf die Frage, wie es damals war, als es noch «Bürochefs» gab. Das meint sie nicht abwertend, sondern ergänzt: «Das Wichtigste ist das Miteinander und der Teamgeist, dann klappt es auch ohne Chef.»
Effizienz vs. Selbstbestimmung
Joëlle, die seit 2023 im Team ist, sieht sowohl die Vorteile als auch die Herausforderungen: «Solange alle an einem Strang ziehen, klappt es.» Wenn das Team gemeinsame, selbstbestimmte Entscheidungen trifft, stärkt es das Vertrauen untereinander. Gleichzeitig wünscht sie sich in bestimmten Situationen eine klar definierte Führungsrolle. Vor allem, wenn es um heikle oder zeitkritische Entscheidungen geht: «Manchmal wäre es effizienter, wenn jemand für uns entscheiden würde, anstatt dass wir lange diskutieren. Besonders, wenn wir am Ende die Geschäftsleitung mit einbeziehen müssen, weil wir zu keiner Lösung gelangen.»
Ein Modell mit Zukunft?
Die Geschäftsleitung steht hinter dem Experiment. David Hauser beschreibt Schreiner48 als ein Zusammenspiel gleichwertiger Teile. Alle dürfen sich einbringen, im Gegenzug sollen aber auch alle die Verantwortung tragen. Immer mit dem gemeinsamen Ziel, Schreiner48 zum Erfolg zu führen. Für ihn ist klar: Selbstorganisation ist kein kurzfristiger Versuch, sondern ein Modell mit Entwicklungspotenzial. Gleichzeitig wird deutlich, dass es nicht für jede Situation die perfekte Lösung gibt. Effizienz und Mitbestimmung stehen manchmal im Spannungsfeld. Doch die bisherigen positiven Erfahrungen überwiegen und stimmen David optimistisch.